Tipps für Immobilienfotografen: Wie Sie Objekte perfekt in Szene setzen

24.11.2025
Lesezeit: 6 min.

Stellen Sie sich vor, Sie scrollen durch Immobilienanzeigen. Bei welchen Fotos bleiben Sie hängen?

Die Antwort ist simpel: Bei denen, die etwas in Ihnen auslösen. Ein warmes Wohnzimmer, das nach Zuhause aussieht. Eine Küche, in der Sie sich bereits beim Kaffeekochen sehen. Ein Garten, der zum Verweilen einlädt.

Immobilienfotografie ist keine Raketenwissenschaft – aber sie ist auch nicht einfach "Kamera draufhalten und abdrücken". Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen einem durchschnittlichen Foto und einem, das potenzielle Käufer oder Mieter emotional packt.

Dieser Artikel zeigt Ihnen genau, wie dieser Unterschied entsteht.

Warum gute Immobilienfotos den Unterschied machen

Hier ein paar Zahlen, die aufhorchen lassen:

  • Immobilienanzeigen mit professionellen Fotos erhalten 118% mehr Online-Aufrufe als solche mit Amateur-Aufnahmen
  • 92% der Käufer beginnen ihre Immobiliensuche online
  • Die ersten 3 Sekunden entscheiden, ob jemand weiterschaut oder wegklickt

Mit anderen Worten: Ihre Fotos sind oft der erste – und manchmal einzige – Eindruck, den eine Immobilie macht.

[Bild: Vergleich zwischen Amateur- und Profi-Immobilienfoto desselben Raums]

Die technische Grundausstattung: Was Sie wirklich brauchen

Bevor wir zu den kreativen Aspekten kommen, klären wir die Basics.

Die Kamera

Mythos: Sie brauchen eine 5.000-Euro-Kamera für gute Immobilienfotos.

Realität: Eine solide Mittelklasse-DSLR oder spiegellose Kamera mit Weitwinkelobjektiv reicht völlig aus. Der Fotograf macht das Foto, nicht die Kamera.

Empfohlene Ausrüstung:

  • Kamera: Vollformat oder APS-C Sensor (ab 1.000 Euro)
  • Objektiv: Weitwinkel 16-35mm für Vollformat oder 10-24mm für APS-C
  • Stativ: Unverzichtbar für scharfe Aufnahmen und HDR-Bracketing
  • Fernauslöser: Vermeidet Verwacklungen bei Langzeitbelichtungen

Die Einstellungen

Hier wird's konkret. Diese Kameraeinstellungen funktionieren in 90% der Situationen:

  • ISO: So niedrig wie möglich (100-400), um Bildrauschen zu vermeiden
  • Blende: f/8 bis f/11 für ausreichende Schärfentiefe
  • Belichtungszeit: Variable, abhängig vom Licht (oft 1/15 bis 1/60 Sekunde)
  • Weißabgleich: Auto oder manuell an Tageslicht angepasst
  • Format: RAW für maximale Bearbeitungsmöglichkeiten

Die goldene Stunde der Immobilienfotografie: Timing ist alles

Wann Sie fotografieren, ist fast genauso wichtig wie was Sie fotografieren.

Die beste Tageszeit: Spätvormittag bis früher Nachmittag (10:00 - 15:00 Uhr)

Warum? Das Licht ist hell genug, um Räume natürlich auszuleuchten, aber nicht so grell, dass es harte Schatten wirft. Bei Außenaufnahmen vermeiden Sie die Mittagssonne, die zu starken Kontrasten führt.

Das Wetter-Dilemma

Überraschung: Leicht bewölkter Himmel ist oft besser als strahlender Sonnenschein. Wolken fungieren als natürlicher Diffusor und erzeugen weiches, gleichmäßiges Licht ohne harte Schatten.

Vermeiden Sie:

  • Starken Regen (Pfützen, nasse Fenster)
  • Nebel (reduziert Sichtweite und Details)
  • Dunkle Gewitterwolken (zu düster, wenig einladend)

Raumvorbereitung: Der unterschätzte Gamechanger

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Ein Raum kann architektonisch perfekt sein – aber wenn er chaotisch aussieht, wirkt auch das beste Foto nicht.

Der 30-Minuten-Vorbereitungsplan

Schritt 1: Entrümpeln (10 Minuten) Entfernen Sie:

  • Persönliche Gegenstände (Familienfotos, religiöse Symbole)
  • Kleine Elektrogeräte von Arbeitsplatten
  • Überschüssige Möbel, die Räume kleiner wirken lassen
  • Sichtbare Kabel und Ladegeräte

Schritt 2: Saubermachen (10 Minuten)

  • Fenster putzen (innen und außen!)
  • Spiegel und glänzende Oberflächen reinigen
  • Staubwischen, besonders bei sichtbaren Oberflächen
  • Böden saugen oder wischen

Schritt 3: Inszenieren (10 Minuten)

  • Kissen aufschütteln und arrangieren
  • Vorhänge oder Jalousien symmetrisch positionieren
  • Frische Blumen oder Pflanzen platzieren
  • Beleuchtung einschalten (alle Lampen!)

Der Immostager-Vorteil

Professionelles Home Staging kann den Unterschied zwischen "ganz nett" und "wow" ausmachen. Tools wie ImmoStager ermöglichen es, Räume virtuell zu möblieren und zu dekorieren – ideal für leerstehende Objekte oder Renovierungsprojekte. So können potenzielle Käufer das Potenzial eines Raumes sofort erkennen.

[Bild: Vorher-Nachher-Vergleich eines leer geräumten Wohnzimmers mit virtuellem Staging]

Die Kunst der Bildkomposition: Perspektive und Winkel

Jetzt kommen wir zum Herzstück: Wie Sie den Raum tatsächlich fotografieren.

Die Ecken-Regel

Die wichtigste Faustregel der Immobilienfotografie: Fotografieren Sie aus den Ecken.

Warum? Aus der Ecke erfasst Ihr Weitwinkelobjektiv den gesamten Raum, zeigt zwei Wände gleichzeitig und vermittelt ein besseres Raumgefühl als frontale Aufnahmen.

Positionieren Sie Ihre Kamera etwa 1,50 Meter hoch (Augenhöhe) in einer Raumecke. Diese Höhe entspricht der natürlichen Perspektive und vermeidet verzerrte Proportionen.

Die Drei-Punkte-Perspektive

Gute Immobilienfotos zeigen drei Raumebenen:

  1. Vordergrund: Möbel oder Dekoration im vorderen Bereich
  2. Mittelgrund: Der Hauptfokus des Raumes
  3. Hintergrund: Durchblick zu anderen Räumen oder Fenstern

Diese Tiefenstaffelung macht Fotos interessanter und gibt dem Betrachter ein besseres Gefühl für die Raumaufteilung.

Vertikale Linien müssen vertikal bleiben

Nichts sieht unprofessioneller aus als kippende Wände. Achten Sie darauf, dass:

  • Die Kamera exakt waagerecht ausgerichtet ist
  • Türrahmen und Fenster vertikal verlaufen
  • Der Horizont (bei Außenaufnahmen) gerade ist

Moderne Kameras haben oft eine elektronische Wasserwaage – nutzen Sie sie!

Licht: Der Unterschied zwischen "okay" und "spektakulär"

Licht ist alles in der Fotografie. Und in der Immobilienfotografie gilt: Mehr Licht ist fast immer besser.

Das Fensterlicht-Dilemma lösen

Fenster sind Fluch und Segen zugleich. Sie bringen natürliches Licht, erzeugen aber auch extreme Kontraste, die Kameras nicht bewältigen können.

Die Lösung: HDR-Bracketing

Nehmen Sie von jeder Szene 3-5 Fotos mit unterschiedlichen Belichtungen auf:

  • Ein unterbelichtetes Foto (für die Fenster)
  • Ein normal belichtetes Foto (für den Raum)
  • Ein überbelichtetes Foto (für dunkle Ecken)

Diese Aufnahmen werden später in der Nachbearbeitung zu einem Bild kombiniert, das sowohl die Innenraumdetails als auch den Blick nach draußen korrekt zeigt.

Kunstlicht richtig einsetzen

Schalten Sie alle Lampen im Raum ein. Wirklich alle. Deckenlampen, Stehlampen, Tischlampen.

Warum? Weil eingeschaltete Lampen:

  • Räume wärmer und einladender wirken lassen
  • Dunkle Ecken aufhellen
  • Gemütlichkeit vermitteln

Achten Sie aber darauf, dass die Farbtemperatur der Lampen einheitlich ist. Mischen Sie nicht Warmweiß (2700K) mit Kaltweiß (5000K) – das sieht auf Fotos chaotisch aus.

Der Blitz-Mythos

Direktes Blitzlicht ist der Todfeind guter Immobilienfotos. Es erzeugt harte Schatten, flache Bilder und unnatürliche Reflexionen.

Wenn Sie zusätzliches Licht brauchen, verwenden Sie:

  • Aufhellblitz an die Decke gerichtet (indirektes Blitzen)
  • Externe LED-Panels mit Diffusoren
  • Oder fotografieren Sie zur besseren Tageszeit

Die Detailaufnahmen: Klein, aber wichtig

Übersehen Sie nicht die Details. Neben den Raumfotos sollten Sie auch close-ups machen von:

  • Hochwertigen Armaturen (Küche, Bad)
  • Besonderen architektonischen Details (Stuck, Parkettmuster)
  • Einbaugeräten und technischen Features
  • Materialien und Oberflächen

Diese Detailfotos vermitteln Qualität und Wertigkeit – besonders wichtig bei hochpreisigen Immobilien.

Außenaufnahmen: Die erste Impression zählt

Die Außenansicht ist das erste Foto, das potenzielle Interessenten sehen. Es muss überzeugen.

Die optimale Perspektive

Fotografieren Sie das Gebäude leicht schräg, nicht frontal. Eine 45-Grad-Perspektive zeigt mehr vom Objekt und wirkt dreidimensionaler.

Der Garten-Faktor

Ein gepflegter Garten steigert die Attraktivität enorm:

  • Rasen mähen vor dem Shooting
  • Laub entfernen
  • Mülltonnen verstecken
  • Gartenmöbel arrangieren

Die blaue Stunde

Für wirklich beeindruckende Außenaufnahmen fotografieren Sie während der blauen Stunde – etwa 20-30 Minuten nach Sonnenuntergang. Der Himmel hat dann eine tiefblaue Farbe, während die beleuchteten Fenster des Hauses warm leuchten. Dieser Kontrast ist spektakulär.

Nachbearbeitung: Das digitale Finish

RAW-Fotos direkt aus der Kamera sehen meist flau und kontrastarm aus. Die Nachbearbeitung bringt sie zum Strahlen.

Die essentiellen Bearbeitungsschritte

1. Weißabgleich korrigieren
Stellen Sie sicher, dass Weiß wirklich weiß aussieht und keine Farbstiche vorhanden sind.

2. Belichtung optimieren
Heben Sie Schatten an, senken Sie Lichter ab, um Details in allen Bereichen zu erhalten.

3. Kontrast und Klarheit erhöhen
Aber nicht übertreiben! Zu viel Klarheit wirkt unnatürlich.

4. Vertikale korrigieren
Falls stürzende Linien vorhanden sind, nutzen Sie die Transformations-Tools in Lightroom oder Photoshop.

5. Schärfen
Der letzte Schliff für knackige Details.

Was Sie vermeiden sollten

  • Übertriebene HDR-Effekte: Der "HDR-Look" mit Heiligenschein-Effekten wirkt billig
  • Zu viel Sättigung: Räume sollen einladend, nicht künstlich bunt aussehen
  • Extreme Filter: Bleiben Sie realistisch

Die häufigsten Fehler (und wie Sie sie vermeiden)

Selbst erfahrene Fotografen machen diese Fehler:

Fehler Nr. 1: Zu viel Weitwinkel

Ein 10mm-Objektiv erfasst zwar den gesamten Raum, lässt ihn aber durch die extreme Verzerrung unrealistisch groß wirken. Das frustriert Besichtigungstermine, wenn der Raum kleiner ist als erwartet.

Lösung: Bleiben Sie bei 16-24mm (Vollformat) – das zeigt Räume realistisch.

Fehler Nr. 2: Falsche Perspektive

Von zu tief oder zu hoch fotografiert wirken Räume verzerrt und unprofessionell.

Lösung: Kamera auf Augenhöhe (ca. 1,50m), parallel zum Boden.

Fehler Nr. 3: Zu wenig Kontext

Ein einziges Foto pro Raum reicht nicht. Käufer wollen verschiedene Perspektiven sehen.

Lösung: Mindestens 2-3 Aufnahmen pro Raum aus unterschiedlichen Winkeln.

Fehler Nr. 4: Schlechtes Timing

Mittags fotografiert bei grellem Sonnenlicht ergeben kontrastreichere Bilder mit harten Schatten.

Lösung: Fotografieren Sie vormittags oder nachmittags bei weichem Licht.

Der professionelle Workflow: Vom Termin bis zur Lieferung

Ein strukturierter Ablauf spart Zeit und garantiert konsistente Qualität.

Vor dem Shooting (1-2 Tage vorher)

  • Besichtigen Sie die Immobilie und planen Sie Ihre Aufnahmen
  • Erstellen Sie eine Shot-Liste
  • Besprechen Sie mit dem Eigentümer/Makler die Vorbereitung
  • Prüfen Sie Ihre Ausrüstung und laden Sie alle Akkus

Während des Shootings (2-3 Stunden)

  • Beginnen Sie mit Außenaufnahmen (wetterabhängig)
  • Fotografieren Sie systematisch Raum für Raum
  • Machen Sie Testaufnahmen und überprüfen Sie Bildschärfe und Belichtung
  • Erstellen Sie Backup-Kopien auf Speicherkarte

Nach dem Shooting (1-2 Tage)

  • Sichten und selektieren Sie die besten Aufnahmen
  • Führen Sie Basisbearbeitung durch
  • Bei Bedarf: Virtuelles Staging über ImmoStager
  • Liefern Sie in vereinbartem Format (meist JPEG, hochauflösend)

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Fotos sollte eine Immobilienanzeige enthalten?

Für eine Wohnung: 15-25 Fotos
Für ein Haus: 25-40 Fotos

Die Anzahl hängt von Größe und Ausstattung ab. Jeder wichtige Raum sollte aus mindestens zwei Perspektiven gezeigt werden.

Muss ich jedes Zimmer fotografieren?

Ja, Käufer erwarten vollständige Transparenz. Ausgelassene Räume wecken Misstrauen. Selbst kleinere Abstellräume sollten abgelichtet werden.

Lohnt sich die Investition in professionelle Ausrüstung?

Wenn Sie regelmäßig Immobilien fotografieren: definitiv ja. Eine solide Ausrüstung (2.000-3.000 Euro) amortisiert sich schnell durch bessere Ergebnisse und zufriedenere Kunden.

Wie lange dauert ein professionelles Immobilien-Shooting?

Wohnung (80 qm): 1-2 Stunden vor Ort
Einfamilienhaus: 2-4 Stunden vor Ort
Nachbearbeitung: Zusätzlich 2-4 Stunden

Was kostet ein professioneller Immobilienfotograf?

Die Preise variieren stark nach Region und Umfang:

  • Wohnung: 150-350 Euro
  • Einfamilienhaus: 300-600 Euro
  • Luxusimmobilie: 600-1.500 Euro

Inklusive sind meist Anfahrt, Shooting und Basis-Nachbearbeitung.

Der Weg zum perfekten Immobilienfoto: Ein Fazit

Gute Immobilienfotografie ist keine Magie. Es ist eine Kombination aus:

  1. Technischem Know-how (Kamera, Einstellungen, Licht)
  2. Vorbereitung (Timing, Raumgestaltung, Equipment-Check)
  3. Kompositions-Grundlagen (Perspektive, Bildaufbau, Details)
  4. Nachbearbeitung (Realistisch, aber optimiert)

Die Investition in hochwertige Immobilienfotos zahlt sich aus. Objekte verkaufen sich schneller, zu besseren Preisen und mit weniger Besichtigungen von nicht ernsthaften Interessenten.

Fangen Sie mit den Basics an – korrekte Belichtung, gerade Linien, aufgeräumte Räume – und verfeinern Sie Ihre Technik mit jedem Shooting. Jede Immobilie ist anders, jeder Raum hat seine eigenen Herausforderungen. Aber mit den Prinzipien aus diesem Artikel haben Sie das Handwerkszeug, um jedes Objekt ins beste Licht zu rücken.

Ihre nächsten Schritte:

  • Erstellen Sie eine Shot-Liste für Ihr nächstes Projekt
  • Testen Sie verschiedene Perspektiven und Belichtungen
  • Analysieren Sie erfolgreiche Immobilienanzeigen und deren Fotografie
  • Experimentieren Sie mit ImmoStager für virtuelles Staging
  • Üben Sie, üben Sie, üben Sie

Die Qualität Ihrer Immobilienfotos bestimmt maßgeblich den ersten Eindruck – und erste Eindrücke sind in der Immobilienbranche alles.

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